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Archivierungssicherheit im Gesundheitswesen

 Langzeitsicherung digital signierter Dokumente
Mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte erhalten über 200 000 Ärzte, 77 000 Zahnärzte und 20 000 Apotheker in den nächsten Jahren signaturfähige Smartcards. Erste signatur-relevante Anwendungen sind das elektronische Rezept und die elektronische Patientenakte, eine Erweiterung ist wahrscheinlich. Ebenso wie Papierdokumente müssen auch die Massen der digital signierten Dokumente sorgfältig aufbewahrt werden, was gar nicht so einfach ist: Digitale Signaturen können im Laufe der Zeit ungültig werden oder durch den Wechsel von einem Dokumentenformat ins andere ihre juristische Beweiskraft verlieren. Forscher des Fraunhofer-Instituts SIT haben bereits erste Lösungen für die Probleme der Zukunft entwickelt.
Nach Einschätzung der Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) entstehen im deutschen Gesundheitswesen jährlich fünf Milliarden Dokumente. Für diese gelten mitunter Aufbewahrungspflichten von bis zu 30 Jahren. Mit Papierdokumenten sind diese Anforderungen leicht zu erfüllen. Handschriftlich unterschriebene Schriftstücke sind auch nach Jahrzehnten noch gut lesbar und besitzen vor Gericht dieselbe Beweiskraft wie am Tag ihrer Ausstellung. Anders bei digital signierten Dokumenten, die altern oder brechen, wenn das Dateiformat sich ändert.
Das Alterungsphänomen erklärt sich wie folgt: Digitale Signaturen basieren auf kryptografischen Algorithmen. Ein solcher Algorithmus gilt solange als sicher, wie die mit ihm erstellte Signatur nicht gefälscht werden kann. Die rasant steigenden Rechenkapazitäten von Computern und die Fortschritte bei der Lösung mathematischer Verfahren zum Brechen der kryptografischen Algorithmen führen jedoch dazu, dass ein Algorithmus, der heute sicher ist, bereits in fünf bis sechs Jahren unsicher sein kann. Entsprechende Dokumente können durch die Alterung ihre Beweiskraft einbüßen und lassen sich unter Umständen vor Gericht nicht mehr verwenden.
Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT arbeitet seit Jahren auf dem Gebiet der Langzeitarchivierung von digital signierten Dokumenten und an der Lösung der oben genannten Probleme. Mit dem Softwaresystem ArchiSoft bietet SIT ein Produkt zur effizienten Nutzung von Zeitstempeldiensten an, die auch das Alterungspropblem digitaler Signaturen löst. Die Bundesnetzagentur, die frühere Regulierungsbehörde, veröffentlicht jährlich eine aktualisierte Liste geeigneter Algorithmen mit ihren Verfallsdaten. Basierend auf dieser Liste erneuert ArchiSoft rechtzeitig die digitalen Signaturen. ArchiSoft ist leicht in bestehende Dokumenten-Management- und Archivierungs-Systeme einzubauen. Einmal angestoßen, übernimmt ArchiSoft automatisch alle Aufgaben, um den Beweiswert digitaler Signaturen auch über Jahrzehnte zu erhalten. Dadurch lassen sich gesetzliche Archivierungsauflagen effizient und standardkonform erfüllen. Das System ist auch für die Verwaltung von nicht signierten Dokumenten einsetzbar. Ein Krankenhaus beispielsweise könnte mit ArchiSoft auch in vielen Jahren nachweisen, zu welchem Zeitpunkt welche Untersuchungsergebnisse (signiert oder nicht signiert) vorgelegen haben. Zu sehen ist die Plattform vom 16. bis zum 19. November auf der Düsseldorfer Medica-Messe am Fraunhofer-Stand (Halle 10, Stand F05). Dort informieren die Forscher auch über Werkzeuge für die Formatkontrolle medizinischer Daten sowie das Institutsangebot in Sachen elektronischer Gesundheitskarte.
11/2005, Ursula Viebeg

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