Die Gesundheitskarte Schleswig-Holstein ist in eine neue Phase getreten

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Während sich die verschiedenen Modellregionen auf die Bewerbung als Testregion für die elektronische Gesundheitskarte beim BMGS bzw. bei der gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH) vorbereiten, ist das Projekt Gesundheitskarte Schleswig-Holstein in Flensburg in eine neue Phase getreten. Die Stoßrichtung geht dabei gleich in drei Richtungen. Wurde bisher in Flensburg gezeigt, dass man die Technik für das eRezept beherrscht, kommen jetzt neue Aspekte hinzu: Erstens ist die Patientenbasis deutlich erhöht worden, um auf viele Transaktionen zu kommen. Zweitens wurden die Prozesse für die eGK-Ausgabe durch die Krankenkassen erprobt, die auch das Einsammeln der Patientenbilder umfasst, um diese auf die Gesundheitskarten zu bringen. Drittens wurden die bisherigen Signaturkarten der Ärzte und Apotheker durch Heilberufsausweise (HBAs) ersetzt. Hierfür wurde auch gleich der komplette Prozess der Kartenausgabe bei den beteiligten Kammern erprobt. Damit untermauert Flensburg seine Vorreiterrolle bei den Gesundheitskartenprojekten in Deutschland.

Um die Patientenbasis in Flensburg auszuweiten, haben die AOK Schleswig-Holstein, die BKK Nord, die DAK, die GEK, die IKK Schleswig-Holstein und die TK zusammen 4379 Patienten angeschrieben und ihnen einen Kartenantrag für die neue eGK zugeschickt. Die Patienten mussten aber nicht nur ihr Einverständnis erklären, an dem Projekt teilzunehmen, und den Antrag ausfüllen, sondern außerdem noch ein Passbild beilegen, da die neuen eGKs durch die Bilder der Besitzer vor Missbrauch geschützt sind (s. Abb. 1). Trotz dieser Hürde haben über 1100 Patienten den ausgefüllten Antrag mit Bild zurückgeschickt. Das ist eine Quote von über 25%. „Mit einer so großen Unterstützung des Projekts durch die Patienten hatte anfänglich niemand gerechnet.“, so Jan Meincke, Geschäftsführer der Firma MediSoftware und Leiter des Projekts Gesundheitskarte Schleswig-Holstein.

Die Patienten erhalten dabei zur Hälfte Karten von PAV Card und zur anderen Hälfte von ORGA Kartensysteme. Dies war auch schon in der ersten Phase des Gesundheitskarten-Projektes in Flensburg so, als man im Sommer 2004 das elektronische Rezept mit über 130 Patienten der AOK Schleswig-Holstein startete. Somit sind jetzt insgesamt ca. 1250 Patienten in Flensburg mit Gesundheitskarten ausgestattet. Die neuen Karten unterscheiden sich allerdings technisch erheblich von den alten.

Da letztes Jahr die Spezifikation der Gesundheitskarte noch nicht vorlag, wurden die Karten nach der sogenannten NetLink-Spezifikation hergestellt. Die neuen Karten erfüllen technisch die aktuellen Anforderungen der eGK, die Inhalte sind aber teilweise noch prokjektspezifisch.

Diese Kartenvielfalt unterschiedlicher Hersteller zu unterstützen, ist eine besondere Herausforderung an den eingesetzten Health-Connector CertiWare von MaK DATA SYSTEM. Gerade die Unterstützung verschiedener Karten ist eine Stärke dieses Konnektors. Bei der bundesweiten Einführung der eGK wird diese schließlich von noch mehr Herstellern ausgeliefert werden. Schon bei der alten Krankenversichertenkarte, die momentan noch bundesweit eingesetzt wird, haben mehrere Hersteller den Markt bedient. Jedoch sind alle Karten technisch identisch, da es sich hierbei um eine simple Speicherkarte handelt. Die neuen eGKs werden hingegen so genannte Smartcards sein, also richtige Computer mit eigenem Betriebssystem. Wie bei Computern, bei denen man zwischen Windows-, Linux- oder Mac-Systemen unterscheiden muss, unterscheiden sich auch die Karten nach den verschiedensten Kartenbetriebssystemen wie Micardo, ABACOS, Seccos etc.

Die dritte Neuerung in Flensburg besteht in der Ausgabe elektronischer Heilberufsausweise der Ärzte und Apotheker anstelle einfacher Signaturkarten. Bisher wurde auf Seiten der Leistungserbringer mit normalen Signaturkarten gearbeitet, die der Arzt oder Apotheker von dem Trustcenter D-Trust erhielt oder die er sich bei einem beliebigen anderen deutschen Trustcenter besorgen musste. Um diese Karten als HBAs identifizieren zu können, wurde beim Norddeutschen Apotheker-Rechenzentrum (NARZ) in Bremen eine Benutzerverwaltung der Flensburger Ärzte und Apotheker eingerichtet, gegen die die Zertifikate der Karten geprüft werden konnten. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass die Unterschrift unter einem elektronischen Rezept auch tatsächlich von einem Arzt erstellt wurde und der Patient sich das Rezept nicht selbst mit seiner eigenen Signaturkarte ausgestellt hatte.

Bei den neuen HBAs sind die Kammern dem Trustcenter vorgeschaltet. Der HBA-Antrag der Ärzte und Apotheker wird von ihren Kammern entgegengenommen, geprüft und dann von der D-Trust weiterverarbeitet. Dabei trägt jetzt auch der HBA das Bild des Arztes bzw. Apothekers und kann somit auch als Lichtbildausweis eingesetzt werden (s. Abb. 2). Außerdem wurde die Karte mit einem zusätzlichen Attribut versehen, das den Besitzer als Arzt oder Apotheker identifiziert, so dass die Benutzerverwaltung beim NARZ zukünftig nicht mehr benötigt wird.

Beachtenswert ist neben der großen Unterstützung auf Seiten der Patienten die Teilnahmebereitschaft bei den Leistungserbringern. Von den Ärzten und Apothekern, die am Gesundheitsnetzwerk Flensburg angeschlossen sind und somit teilnehmen können, haben sich über 80% bereit erklärt, auch die neue Phase der Gesundheitskarte zu unterstützen. Bis Ende Oktober hatten von dieser Gruppe bereits über 80% ihren Kartenantrag abgeben. Dies unterstreicht die hohe Motivation der Ärzte und Apotheker, selbst dann mitzumachen, wenn die neue Technik in die eigene Software noch nicht voll integriert ist.

Das Fazit aus den positiven Erfahrungen in Flensburg ist:

  • Das Netzwerk der Leistungserbringer ist aufgebaut.
  • Die Karten stehen zur Verfügung.
  • Der Konnektor gewährleistet die problemlose Anbindung von Karten und Kartenterminals.
  • Das elektronische Rezept läuft seit mehr als einem Jahr erfolgreich produktiv.


Entscheidend für den Erfolg des Projekts ist vor allem die hohe Motivation auf allen Seiten – auf Seiten der Patienten, der Leistungserbringer und der Kassen. Gerade diese hohe Motivation widerspricht klar dem in den Medien gezeichneten Bild zur Gesundheitskarte. Es bleibt zu hoffen, dass nicht nur in Flensburg die öffentliche und die veröffentlichte Meinung zur Gesundheitskarte so weit auseinander liegen.

Weitere Informationen:
www.certiware.de www.gesundheitskarte-sh.de

01/2006, Dr. Stefan Buschner



Dr. Stefan Buschner ist verantwortlich für den Bereich elektronische Signatur und Security bei MaK DATA SYSTEM und hat in diesem Rahmen die Sicherheitslösung CertiWare entwickelt. Seit 04/2003 arbeitet er im Projekt „Gesundheitskarte Schleswig-Holstein".


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