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Elektronische Gesundheitskarte soll Arzt und Patient entlasten

Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) ist eines der größten Projekte der Informationstechnologie. Nach Angaben des Deutschen Ärzteblattes werden hiermit rund 200.000 niedergelassene Ärzte, 22.000 Apotheker, mehr als 2.000 Krankenhäuser und knapp 300 Krankenkassen miteinander vernetzt. Die elektronische Speicherung gesundheitsbezogener Dante soll die Kommunikation zwischen Patienten und Gesundheitsversorgern erleichtern. Ursprünglich sollte die eGK 2006 flächendeckend eingeführt werden. Doch dieser Termin wird nicht zu halten sein, auch wenn das Bundesgesundheitsministerium weiterhin verspricht, dass jeder Patient noch 2006 eine Karte in Händen halten soll.
Mittlerweile mehren sich auch die Anzeichen, dass die Einführung der eGK deutlich teurer als geplant werden könnte. Eine erste Schätzung des zuständigen Ministeriums war noch von 1,4 Milliarden Euro ausgegangen. Doch Klaus-Detlev Dietz, Geschäftsführer im Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) äußerte vor kurzem in der Financial Times Deutschland (FTD) die Befürchtung, dass die Einführung rund vier Milliarden Euro betragen könne. Dies könnte die Beitragssätze der gesetzlichen Kassen um bis zu 0,4 Prozentpunkte nach oben treiben.
Vor einigen Monaten wurde daher das Beratungshaus Booz-Allen Hamilton mit der Erstellung einer Studie über die voraussichtlichen Kosten und den Nutzen der eGK beauftragt. Die Studie solle im Frühsommer dem Gesundheitsministerium vorliegen, so das Internet-Portal Silicon.de. Die Diskussion über die Kosten oder Risiken der eGK wird also auch in Zukunft munter weitergehen. Doch angesichts der Herausforderungen ist dies durchaus verständlich. „Die eGK ist das größte Identity-Management-Projekt der Welt“, so der Geschäftsführer von Cybertrust Deutschland, Artur Heil. Damit etwaige Datenschutzrisiken bei 80 Millionen Nutzern und zwei Millionen Gesundheitsprofis eliminiert würden, seien gigantische Sicherheitsinfrastrukturen vonnöten.
Doch die eGK ist nur ein Einsatzgebiet für ITK-Lösungen im Gesundheitswesen, betont der Geschäftsführer des Stuttgarter IT-Dienstleisters Nextiraone, Helmut Reisinger: „Bei den Krankenhäusern gibt es einen hohen Bedarf an professionellen Managed Services-Lösungen. Und die Krankenkassen können zum Beispiel mit Call-Center-Lösungen gute Erfolge bei der Bearbeitung der Kundenkontakte erzielen. Noch bevor die elektronische Gesundheitskarte flächendeckend eingesetzt ist, sollte sie nicht zerredet werden. In Österreich haben die Patienten ihre Karte bereits jetzt in Händen, weil nicht nur das Land viel kleiner ist als Deutschland, sondern weil die Entscheidungsstrukturen hier zu Lande komplizierter sind, da deutlich mehr Parteien in den Prozess involviert sind.“
Unabhängig von den Kosten zeigen sich bereits heute zahlreiche Fachleute von den Vorteilen der neuen Technik überzeugt. In Trier wurde bereits im Herbst 2004 ein Regionalversuch elektronische Gesundheitskarte gestartet. Michael Siegert, der ärztliche Leiter des Modellprojekts, verwies gegenüber der Tageszeitung Die Welt darauf, dass die eGK für den Arzt eine große Zeitersparnis und Arbeitserleichterung bringe. Der Patient werde zudem von unnötigen Doppeluntersuchungen befreit. Aus medizinischer Sicht spricht für die eGK, dass es Hochrechnungen zufolge in Deutschland pro Jahr bis zu 10.000 Tote aufgrund von Medikamenten-Unverträglichkeiten und fehlerhafter Verschreibungen gibt. Etwa vier bis sechs Prozent der stationären Einweisungen in Krankenhäuser gehen auf solche Unverträglichkeiten zurück. Hier könnte die eGK also sowohl Leben schützen und Kosten senken. 03/2006, Claudia Klemp

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